Was wirklich hinter SPF, UVA und UVB steckt
Die meisten Menschen denken, dass eine hohe SPF-Zahl bedeutet, dass sie vollständig vor der Sonne geschützt sind. Das ist ein Irrtum. SPF steht für Sun Protection Factor - also Sonnenschutzfaktor - und misst nur den Schutz gegen UVB-Strahlen. Das sind die Strahlen, die Sonnenbrand verursachen. Aber die echte Gefahr für deine Haut kommt von UVA-Strahlen. Sie dringen tiefer in die Haut ein, zerstören Kollagen und Elastin und führen langfristig zu Falten, Pigmentflecken und sogar Hautkrebs. Und sie sind das ganze Jahr über da - auch an bewölkten Tagen, durch Fensterscheiben und im Winter.
Ein SPF 30 blockiert 96,7 % der UVB-Strahlen, SPF 50 blockiert 98 %. Das klingt nach einem großen Unterschied, ist es aber nicht. Der Sprung von SPF 30 zu SPF 50 bringt nur 1,3 % mehr Schutz. Aber viele Menschen tragen zu wenig Sonnencreme auf - oft nur ein Viertel der empfohlenen Menge. Wenn du SPF 30 nur halb so viel aufträgst, wie du solltest, hast du eigentlich nur noch den Schutz von SPF 15. Deshalb ist ein höherer SPF oft sinnvoller: Er kompensiert die ungenaue Anwendung.
UVA vs. UVB: Die unsichtbaren Feinde deiner Haut
UVB-Strahlen haben eine kürzere Wellenlänge (290-320 nm) und treffen vor allem die äußere Hautschicht, die Epidermis. Sie sind verantwortlich für Rötungen, Blasenbildung und direkte DNA-Schäden, die zu Hautkrebs führen können. Sie sind stärker in der Mittagszeit und im Sommer, aber sie können nicht durch Glas dringen.
UVA-Strahlen dagegen (320-400 nm) sind viel häufiger - bis zu 95 % der UV-Strahlung, die die Erdoberfläche erreicht, sind UVA. Sie dringen bis in die Dermis, die tiefe Hautschicht, ein. Dort setzen sie freie Radikale frei, die Kollagen und Elastin abbauen. Das führt zu vorzeitiger Hautalterung: Falten, schlaffe Haut, dunkle Flecken. UVA ist nicht saisonal, nicht zeitabhängig und nicht durch Wolken oder Fenster abgeschirmt. Das bedeutet: Selbst wenn du im Büro sitzt oder im Auto fährst, bekommst du UVA-Strahlung.
Ein Sonnenschutzprodukt, das nur SPF angibt, ohne „Broad Spectrum“ zu nennen, schützt dich nicht ausreichend. Die FDA in den USA verlangt seit 2011, dass „Broad Spectrum“ nur dann verwendet werden darf, wenn das Produkt mindestens ein Drittel der angegebenen SPF-Werte an UVA-Schutz bietet. Heute verlangt die Skin Cancer Foundation sogar, dass Produkte mit SPF 50+ einen UVA-PFdx-Wert von mindestens 20 erreichen - das ist ein Messwert für die tatsächliche UVA-Abwehr.
Mineralisch oder chemisch? Die zwei Arten von Sonnencreme
Es gibt zwei Haupttypen von Sonnencremes: mineralisch und chemisch. Mineralische Sonnencremes enthalten Zinkoxid und/oder Titandioxid. Diese Stoffe sitzen auf der Haut und reflektieren die UV-Strahlen wie ein Spiegel. Sie wirken sofort nach dem Auftragen und sind weniger reizend - ideal für empfindliche, acneanfällige oder rosacea-geplagte Haut. Viele Nutzer berichten auf Reddit, dass ihr Akne nach dem Wechsel zu mineralischer Sonnencreme innerhalb von drei Wochen besser wurde.
Aber es gibt einen Haken: Mineralische Cremes hinterlassen oft einen weißen Film, besonders auf dunklerer Haut. Das liegt daran, dass die Partikel nicht fein genug verarbeitet sind. Neuere Formulierungen nutzen nanoskalige Partikel, die transparenter wirken - aber das wirft neue Fragen auf: Sind Nanopartikel sicher? Die Forschung ist noch nicht abschließend, aber bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass sie in die Haut eindringen und schädlich wirken.
Chemische Sonnencremes enthalten organische Verbindungen wie Avobenzone, Octinoxat, Octocrylen oder Oxybenzon. Diese Stoffe absorbieren UV-Strahlen, wandeln sie in Wärme um und geben sie ab. Sie sind meist leichter aufzutragen, hinterlassen keinen weißen Schleier und lassen sich besser unter Make-up tragen. Aber sie müssen 15-20 Minuten einwirken, bevor sie wirken. Und sie können Hautreizungen oder Akne auslösen - besonders Oxybenzon, das in vielen negativen Bewertungen auf Trustpilot und Amazon als „juckend“ oder „brennend“ beschrieben wird.
Was du wirklich brauchst: Die praktische Checkliste
- SPF 30 oder höher - nicht weniger. Die American Academy of Dermatology empfiehlt seit 2023 mindestens SPF 30 für den täglichen Gebrauch.
- Broad Spectrum - das steht auf der Verpackung. Ohne das Wort ist es kein echter UVA-Schutz.
- Wasserfest - wenn du schwitzt, schwimmst oder dich abtrocknest. „Wasserfest“ bedeutet 40 oder 80 Minuten Schutz - nicht „wasserabweisend“ oder „beständig“.
- 1/4 Teelöffel fürs Gesicht - das ist die Menge. Für den ganzen Körper brauchst du etwa 30 ml - eine volle Handvoll. Die meisten Menschen verwenden nur 25-50 % davon. Das reduziert deinen SPF auf ein Drittel oder weniger.
- Alle 2 Stunden nachtragen - auch wenn du im Schatten sitzt. UV-Strahlen reflektieren von Sand, Wasser, Schnee und sogar Beton.
- Täglich anwenden - selbst im Winter, an bewölkten Tagen, im Büro. UVA ist immer da.
Was die Marktführer anbieten - und was du vermeiden solltest
La Roche-Posay Anthelios SPF 50 ist mit 4,4 von 5 Sternen und über 8.700 Bewertungen auf Amazon einer der beliebtesten Sonnenschutzprodukte. Nutzer loben besonders, dass es keinen weißen Schleier hinterlässt - ein Zeichen dafür, dass die Formulierung gut entwickelt ist. CeraVe und Neutrogena dominieren den US-Markt, aber viele günstige Produkte enthalten noch immer Oxybenzon und Octinoxat - Stoffe, die nicht nur hautreizend sind, sondern auch Korallenriffe schädigen. Die EU und Hawaii haben sie verboten. In Deutschland ist das nicht verpflichtend, aber du kannst bewusst wählen: Suche nach „reef-safe“ oder „oxybenzonfrei“.
Die FDA hat 2021 vorgeschlagen, SPF-Werte über 60+ nicht mehr zu erlauben, weil der zusätzliche Schutz vernachlässigbar ist und Verbraucher glauben, sie könnten länger in der Sonne bleiben. Das ist gefährlich. Höherer SPF bedeutet nicht mehr Zeit in der Sonne - er bedeutet nur, dass du besser geschützt bist, wenn du zu wenig aufträgst.
Die Zukunft des Sonnenschutzes
Die nächste Generation von Sonnencremes wird nicht nur UV, sondern auch Blaulicht und Infrarotstrahlung abwehren. Die Hautalterung durch Bildschirme und LED-Licht wird zunehmend erforscht. 68 % der Dermatologen in den USA erwarten, dass Multi-Spektrum-Schutz in fünf Jahren Standard sein wird. Einige Marken testen bereits Formulierungen mit Antioxidantien wie Vitamin C oder Ferulic Acid, die freie Radikale neutralisieren - eine Art „Zusatzschutz“ neben der UV-Absorption.
Die Weltgesundheitsorganisation warnt: Der Ozonabbau führt zu steigenden UV-Werten, besonders in Äquatornähe. Seit 2010 ist die UV-Strahlung dort um 8 % gestiegen. Das bedeutet: Sonnenschutz ist kein Luxus mehr - er ist medizinisch notwendig. Jeder Tag ohne Schutz fügt deiner Haut Schaden zu, den du später nicht mehr rückgängig machen kannst.
Was du heute tun kannst
Finde eine Sonnencreme, die du magst. Wenn sie zu fettig ist, probiere eine gelb- oder fluid-basierte Version. Wenn sie zu weiß bleibt, suche nach „transparent“ oder „tinted“. Wenn sie juckt, wechsle zu mineralisch. Trage sie jeden Morgen auf - nach deiner Tagescreme, vor Make-up. Und gib dir die Zeit: 15 Minuten einwirken lassen, bevor du rausgehst. Du brauchst keine perfekte Anwendung - du brauchst eine konsequente. Die Haut vergisst keinen Tag ohne Schutz. Und sie wird es dir danken - in zehn Jahren, wenn andere mit Falten und Flecken kämpfen, du aber noch frisch aussiehst.
Ist SPF 100 besser als SPF 50?
Nein. SPF 50 blockiert 98 % der UVB-Strahlen, SPF 100 blockiert etwa 99 %. Der Unterschied ist minimal - nur 1 %. Aber viele Menschen denken, sie könnten mit SPF 100 länger in der Sonne bleiben - das ist falsch und gefährlich. Höhere SPF-Werte kompensieren nur unzureichende Anwendung. Für den Alltag reicht SPF 30-50 völlig aus, wenn du richtig aufträgst.
Muss ich Sonnencreme auch im Winter tragen?
Ja. UVA-Strahlen sind das ganze Jahr über gleich stark - auch im Winter, bei Bewölkung oder wenn du hinter einem Fenster sitzt. Sie verursachen Falten und Pigmentflecken. Wenn du deine Haut langfristig schützen willst, ist täglicher Schutz die einzige wirksame Strategie.
Warum hinterlässt meine mineralische Sonnencreme einen weißen Film?
Das liegt an den Partikeln von Zinkoxid oder Titandioxid. Ältere Formulierungen nutzen größere Partikel, die sichtbar bleiben. Neuere Produkte verwenden nanoskalige oder tönende Versionen, die sich besser in die Haut einarbeiten. Gib der Creme 1-2 Minuten Zeit, sich zu verteilen, und massiere sanft ein. Manche Produkte enthalten leichte Farbpigmente - das hilft, den weißen Schleier zu verbergen, besonders auf dunkler Haut.
Kann ich Sonnencreme mit Make-up kombinieren?
Ja, aber nur, wenn du sie als letzten Schritt deiner Hautpflege aufträgst - nach Serum und Tagescreme, aber vor Foundation. Warte 15 Minuten, bis sie eingezogen ist. Sonst pellt das Make-up ab oder wird fleckig. Viele Sonnencremes sind jetzt speziell für die Anwendung unter Make-up entwickelt - sie sind leichter, trocknen schnell und haben keine fettige Oberfläche.
Sind chemische Sonnencremes schädlich für die Umwelt?
Ja. Oxybenzon und Octinoxat sind giftig für Korallenriffe und werden in vielen Ländern verboten. Sie stören die Fortpflanzung von Meerestieren und führen zur Korallenbleiche. Wenn du an der Küste reist oder einfach bewusst leben willst, wähle „reef-safe“-Produkte, die diese Stoffe nicht enthalten. Es gibt viele gute Alternativen mit nur mineralischen Filtern oder neuen, umweltfreundlichen chemischen Filtern.