Mail-Order Generika: Vorteile und Risiken bei Online-Apotheken

Mail-Order Generika: Vorteile und Risiken bei Online-Apotheken

Dez, 28 2025

Immer mehr Menschen bestellen ihre Medikamente nicht mehr in der örtlichen Apotheke, sondern per Post. Besonders bei chronischen Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes oder Depressionen ist das Versenden von Generika aus Online-Apotheken zur Normalität geworden. Die Versprechen sind verlockend: weniger Geld ausgeben, keine Wartezeit, automatische Nachbestellung und Medikamente direkt vor der Haustür. Doch hinter dieser Bequemlichkeit stecken Risiken, die kaum jemand kennt - und die lebensgefährlich sein können.

Was ist eine Mail-Order-Apotheke?

Eine Mail-Order-Apotheke ist eine Online-Apotheke, die verschreibungspflichtige Medikamente direkt an Ihre Adresse liefert. Meistens senden sie 90-Tage-Vorräte - also drei Monate Medikamente auf einmal. Das ist besonders praktisch für Menschen, die täglich Tabletten nehmen. Die meisten dieser Dienste sind an die Krankenversicherungen gekoppelt, etwa über Pharmacy Benefit Manager wie Express Scripts, CVS Caremark oder OptumRx. Diese drei Unternehmen kontrollieren zusammen fast 80 % des Marktes in den USA.

Die Idee hinter Mail-Order ist simpel: Größere Mengen zu geringeren Kosten zu liefern. Für viele Patienten kostet ein 90-Tage-Vorrat an Blutdruckmedikamenten nur 10 Dollar Selbstbeteiligung - während der gleiche Vorrat in der lokalen Apotheke 45 Dollar oder mehr kostet. Das klingt wie ein Gewinn. Doch die Wahrheit ist komplizierter.

Die Vorteile: Bequemlichkeit und Kostenersparnis

Die größte Stärke von Mail-Order-Generika liegt in der Konsistenz. Wenn Sie jeden Monat Ihre Medikamente abholen müssen, vergessen Sie sie leicht. Bei automatischen Nachbestellungen wird das nicht mehr passiert. Studien zeigen: Patienten, die ihre Medikamente per Post beziehen, nehmen sie deutlich häufiger ein - besonders bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine Untersuchung des National Institutes of Health fand, dass diese Patienten ihre Blutdruck- und Cholesterinwerte besser kontrollieren.

Und die Kosten? Für viele ist es eine echte Erleichterung. Ein Patient berichtete auf GoodRx, dass er monatlich 45 Dollar spart, weil er seinen Blutdruckwirkstoff jetzt per Post erhält. Für Senioren, die mehrere Medikamente nehmen, ist das ein entscheidender Vorteil. Die Medikamente kommen pünktlich, oft mit einer detaillierten Packungsbeilage und ohne Wartezeit. Kein Stress, kein Warten an der Kasse.

Ein weiterer Vorteil: Generika sind nicht weniger wirksam. Die FDA sagt klar: Ein Generikum muss die gleiche Wirkstoffmenge, die gleiche Wirksamkeit und die gleiche Sicherheit haben wie das Originalpräparat. Viele Ärzte und Apotheker bestätigen das: Ein generisches Antidepressivum wirkt genauso wie das teure Markenprodukt - nur viel günstiger.

Die versteckten Kosten: Wie viel kostet wirklich ein Medikament?

Das große Problem? Die Preise sind oft nicht, was sie zu sein scheinen. Ein Medikament, das in einer lokalen Apotheke 12 Dollar kostet, kann über eine Mail-Order-Apotheke mit 100 Dollar berechnet werden - das ist eine Steigerung von 800 %. Das passiert besonders bei Medikamenten, die von großen Versicherungs-Managementfirmen kontrolliert werden. Die Apotheke berechnet den hohen Preis an die Versicherung, und die zahlt - oft ohne dass der Patient es merkt.

Und für Menschen ohne Versicherung? Da wird es gefährlich. Ein injizierbares Anti-Fettleibigkeitsmittel wie Semaglutid kann über Online-Apotheken bis zu 500 Dollar pro Monat kosten. Für viele ist das unmöglich. Die Versprechen der Billigpreise gelten nur, wenn Sie über eine bestimmte Versicherung verfügen. Ohne sie zahlen Sie den vollen, oft überinflationsgetriebenen Preis.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Zwischen 2013 und 2023 stiegen die Umsätze von Mail-Order-Apotheken von 86 auf über 206 Milliarden Dollar. Die Anzahl der verschriebenen Medikamente stieg aber nur um 11 %. Das bedeutet: Es werden nicht mehr Medikamente verkauft - sondern viel teurer.

Ein Apotheker spricht mit einem Patienten links, rechts schmilzt Insulin in einem heißen Paket.

Temperaturkontrolle: Ein unsichtbares Risiko

Medikamente sind keine Tasse Kaffee. Sie sind empfindlich. Insulin, Antibiotika, Hormone - viele brauchen eine konstante Temperatur zwischen 20 und 25 Grad Celsius. Zu heiß? Sie verlieren ihre Wirkung. Zu kalt? Sie können gerinnen oder kristallisieren.

Ein Studie des Journal of the American Pharmacists Association fand: Nur ein Drittel aller per Post versandten Medikamente bleiben während des Transports in diesem sicheren Temperaturbereich. In der Hitze des Sommers schmolz Insulin in mehreren Fällen in den Paketen - und Patienten bekamen unwirksame Dosen. Einige berichteten auf Reddit, dass sie nach der Einnahme plötzlich hohe Blutzuckerwerte hatten - weil ihr Insulin nicht mehr funktionierte.

Die FDA hat zwischen 2020 und 2023 über 1.247 Fälle von Temperaturschäden an Medikamenten dokumentiert. Experten glauben, dass die tatsächliche Zahl viel höher ist - viele Patienten merken gar nicht, dass ihr Medikament kaputt ist. Und bis heute gibt es in den USA keine gesetzliche Pflicht, die Temperatur während des Transports zu kontrollieren.

Die fehlende persönliche Beratung

In der örtlichen Apotheke fragt der Apotheker: „Haben Sie heute schon etwas gegen den Magen genommen?“ „Können Sie die Tablette schlucken?“ „Haben Sie Nebenwirkungen bemerkt?“

Bei Mail-Order-Apotheken gibt es das nicht. Kein Gespräch. Kein Blick in die Augen. Keine Chance, eine falsche Kombination zu erkennen. Eine Umfrage von Consumer Reports ergab: 68 % der Patienten fühlen sich unsicher, weil sie keinen Apotheker persönlich ansprechen können. Das ist besonders kritisch, wenn Sie mehrere Medikamente einnehmen - etwa ein Blutdruckmittel, ein Diabetesmedikament und ein Schmerzmittel. Ein Apotheker in der Apotheke prüft sofort, ob sie sich gegenseitig beeinflussen. Bei Mail-Order-Apotheken? Nicht immer.

Ein Fall aus der Praxis: Ein Patient nahm ein Antidepressivum und ein Schmerzmittel. Beide beeinflussen das Serotonin im Gehirn. Zusammen können sie eine lebensgefährliche „Serotonin-Syndrom“ auslösen. Sein Hausarzt wusste es nicht. Sein Apotheker vor Ort auch nicht - weil die Medikamente von zwei verschiedenen Mail-Order-Apotheken kamen. Keiner hatte den vollständigen Überblick.

Generika wechseln: Verwirrung und Unsicherheit

Generika sehen anders aus als das Original. Andere Form, andere Farbe, anderes Logo. Das ist normal. Aber für viele Patienten - besonders ältere - ist das ein Problem. Eine Studie aus dem Jahr 2017 zeigte: Wenn Patienten häufig zwischen verschiedenen Generika wechseln, fühlen sie sich unsicher. Sie zweifeln: „Ist das jetzt das gleiche?“ „Habe ich etwas falsch eingenommen?“

Bei einem Medikament namens Topiramate, das bei Epilepsie und Migräne eingesetzt wird, fanden Forscher: Wer häufig das Generikum wechselte, hatte häufiger Krankenhausaufenthalte und brauchte mehr andere Medikamente. Warum? Weil er Angst hatte, das neue Medikament könnte nicht wirken - und deshalb mehr nahm, als nötig war.

Die Lösung? Bleiben Sie bei einem Hersteller. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, ob Sie Ihr Medikament immer von derselben Firma bekommen können. Manche Mail-Order-Apotheken wechseln den Lieferanten, um günstiger zu sein - ohne Sie zu informieren.

Eine Person hält eine gebrochene Pillenflasche, umgeben von unterschiedlichen Generika und einem Unternehmenslogo.

Was Sie tun können: Praktische Tipps

Mail-Order-Generika sind nicht schlecht - aber sie erfordern Aufmerksamkeit. Hier sind fünf konkrete Schritte, um Risiken zu minimieren:

  1. Bestellen Sie früh: Bestellen Sie mindestens zwei Wochen vor dem Ende Ihres Vorrats. Ein Paket kann verspätet kommen - besonders in der Weihnachtszeit.
  2. Prüfen Sie die Verpackung: Wenn Ihr Medikament weich, verfärbt oder flüssig ist - nehmen Sie es nicht ein. Rufen Sie Ihre Apotheke an.
  3. Halten Sie alle Medikamente bei einem Anbieter: Versuchen Sie, alle Ihre chronischen Medikamente über eine einzige Mail-Order-Apotheke zu beziehen. So kann der Apotheker Wechselwirkungen prüfen.
  4. Verlangen Sie Kühllagerung: Wenn Sie Insulin oder andere temperatursensible Medikamente nehmen, fragen Sie explizit nach Kühlversand mit Eispacks. Schreiben Sie es in Ihre Bestellung.
  5. Verstehen Sie Ihre Rechnung: Prüfen Sie, wie viel Ihr Versicherer wirklich zahlt. Manchmal ist die lokale Apotheke günstiger - besonders wenn Sie nur ein 30-Tage-Rezept brauchen.

Was kommt als Nächstes?

Der Markt für Mail-Order-Generika wächst weiter. Bis 2027 sollen 45 % aller chronischen Medikamente per Post verschickt werden - das ist fast eine Verdopplung seit 2023. Doch gleichzeitig wächst der Druck auf die Branche. Ein neuer Gesetzesentwurf, die „Pharmacy Delivery Safety Act“, soll ab 2026 verpflichtende Temperaturkontrollen und transparente Preisangaben vorschreiben.

Die Zukunft wird entscheiden, ob diese Dienste wirklich helfen - oder nur Profit machen. Für Sie als Patient: Bleiben Sie wachsam. Nutzen Sie die Vorteile, aber fordern Sie Sicherheit. Ihre Gesundheit ist es wert.

Sind Mail-Order-Generika genauso wirksam wie Markenmedikamente?

Ja, nach den Vorgaben der FDA müssen Generika die gleiche Wirkstoffmenge, die gleiche Wirksamkeit und die gleiche Sicherheit haben wie das Originalpräparat. Sie enthalten denselben aktiven Wirkstoff und werden im gleichen Maße vom Körper aufgenommen. Der Unterschied liegt nur in der Zusammensetzung der Hilfsstoffe und im Aussehen der Tablette - nicht in der Wirkung.

Warum kosten manche Medikamente über Mail-Order mehr als in der Apotheke?

Manche Mail-Order-Apotheken berechnen hohe Preise an die Krankenversicherung - auch wenn das Medikament in der lokalen Apotheke viel günstiger ist. Das passiert besonders, wenn die Apotheke Teil eines großen Versicherungs-Management-Netzwerks ist. Der Patient zahlt oft nur eine kleine Selbstbeteiligung und merkt nichts. Für Menschen ohne Versicherung kann dieser Preis aber extrem hoch sein - bis zu 800 % mehr als der tatsächliche Herstellungspreis.

Kann Insulin bei der Postbeschädigt werden?

Ja. Insulin ist temperaturempfindlich und verliert seine Wirkung, wenn es über 25 Grad Celsius oder unter 2 Grad Celsius gelagert wird. In den Sommermonaten sind Pakete oft mehrere Tage in heißen Lagern oder Lkws unterwegs. Es gibt dokumentierte Fälle, in denen Insulin in Paketen geschmolzen ist. Patienten berichteten von plötzlich hohen Blutzuckerwerten - weil das Medikament nicht mehr funktionierte. Immer nach Kühllagerung fragen und das Paket sofort prüfen.

Warum sollte ich meine Medikamente nicht von mehreren Mail-Order-Apotheken beziehen?

Weil kein Apotheker alle Ihre Medikamente überblicken kann. Wenn Sie Blutdruckmittel von Apotheke A, Diabetesmedikamente von Apotheke B und Schmerzmittel von Apotheke C beziehen, kann kein einziger Apotheker prüfen, ob diese Medikamente miteinander interagieren. Das erhöht das Risiko von gefährlichen Nebenwirkungen. Besser: Alle Medikamente bei einer einzigen Apotheke bestellen - oder zumindest die wichtigsten chronischen Medikamente zusammenhalten.

Wie erkenne ich, ob mein Medikament durch Hitze beschädigt wurde?

Schauen Sie auf die Verpackung: Ist die Tablette weich, klebrig, verfärbt oder verformt? Ist das Fläschchen warm oder enthält es Flüssigkeit, wo keine sein sollte? Bei Injektionen: Ist die Lösung trüb, klumpig oder hat sie einen ungewöhnlichen Geruch? Dann ist das Medikament möglicherweise beschädigt. Nehmen Sie es nicht ein - und kontaktieren Sie sofort Ihre Apotheke oder Ihren Arzt.

Was tun, wenn etwas schiefgelaufen ist?

Wenn Ihr Medikament nicht ankommt, beschädigt ist oder Sie Nebenwirkungen bemerken: Handeln Sie sofort. Rufen Sie Ihre Mail-Order-Apotheke an - und fragen Sie nach einer Ersatzlieferung. Fordern Sie eine schriftliche Bestätigung. Melden Sie den Vorfall auch bei Ihrer Krankenversicherung. Und wenn es um lebenswichtige Medikamente geht - wie Insulin, Blutverdünner oder Epilepsie-Medikamente - gehen Sie sofort zur nächstgelegenen Apotheke und holen Sie sich eine Notfallversorgung. Ihre Gesundheit ist wichtiger als Wartezeiten oder Versicherungsregeln.

Mail-Order-Generika können ein Werkzeug der Zukunft sein - aber nur, wenn wir sie mit offenen Augen nutzen. Bequemlichkeit ist gut. Sicherheit ist unverzichtbar.

9 Kommentare

  • Bjørn Vestager
    Veröffentlicht von Bjørn Vestager
    03:11 12/30/2025

    Ich finde es wahnsinnig, wie sehr wir uns auf Bequemlichkeit verlassen, ohne zu hinterfragen, was wirklich hinter den Kulissen passiert. Mail-Order-Apotheken klingen wie ein Traum – bis du erfährst, dass dein Insulin in einem heißen LKW geschmolzen ist und du jetzt mit einem Blutzucker von 300 rumläufst, weil du dachtest, alles sei in Ordnung. Die Kostenersparnis ist verlockend, aber wenn du dein Leben aufs Spiel setzt, weil jemand im Lager keine Klimaanlage hat, dann ist das kein Sparmodell – das ist ein Risiko, das niemand benennen will.


    Und die Preise? Die sind ein Witz. Ein Medikament, das 12 Dollar kostet, wird plötzlich zu 100 Dollar, weil die Versicherung das absegnet. Der Patient zahlt 10 Dollar, denkt, er hätte gewonnen – aber die Versicherung zahlt 90, und der Gewinn geht an die Manager, die nie eine Tablette in der Hand hatten. Das ist kein Markt, das ist ein System, das aus Menschen Kapital schlägt.


    Warum gibt es keine Gesetze für Temperaturkontrolle? Weil es billiger ist, Leute sterben zu lassen, als ein paar Kühlboxen zu kaufen. Das ist nicht übertrieben – das ist die Realität. Die FDA hat über 1.200 Fälle dokumentiert, aber die Zahl ist sicher zehnmal höher. Wer meldet schon, dass sein Medikament nicht wirkt? Wer will zugeben, dass er fast gestorben ist, weil er zu sehr auf die Post vertraut hat?


    Und dann die Generika-Wechsel. Jeden Monat eine andere Tablette, andere Farbe, anderes Logo – und plötzlich zweifelst du an dir selbst. „Habe ich die falsche genommen?“ „Ist das überhaupt das gleiche?“ Das ist psychologischer Terror, den niemand anspricht. Ältere Menschen, die nicht wissen, was ein Wirkstoff ist, werden damit überfordert. Das ist kein Fortschritt, das ist ein Ausverkauf der Gesundheit.


    Ich verstehe die Vorteile. Ich bin kein Gegner von Online-Apotheken. Aber sie müssen reguliert werden – wie jede andere Branche, die mit Leben und Tod spielt. Kühllagerung muss Pflicht sein. Die Herkunft der Generika muss transparent sein. Und wer mehrere Apotheken nutzt, sollte eine zentrale Datenbank haben, die Wechselwirkungen prüft. Sonst wird das nur noch schlimmer.

  • Astrid Garcia
    Veröffentlicht von Astrid Garcia
    00:26 01/ 1/2026

    Ich hab vor 3 Monaten mein Insulin per Post bekommen – es war flüssig. Ich hab’s nicht bemerkt, bis ich nach 2 Tagen in der Notaufnahme lag. Kein Wort von der Apotheke. Keine Entschuldigung. Nur ‘wir schicken Ihnen ein neues Paket’. Aber mein Blutzucker war schon 12 Stunden lang im Keller. Ich hab nie wieder etwas per Post bestellt. Die sparen sich die Kühlung, aber ich zahle mit meinem Körper.

  • Martine Flatlie
    Veröffentlicht von Martine Flatlie
    04:22 01/ 2/2026

    Ich hab’s auch erlebt 😢 Meine Oma hat jeden Monat ihre Medikamente per Post bekommen – und hat sich immer gewundert, warum sie plötzlich so müde war. Wir haben rausgefunden, dass das Antidepressivum jedes Mal anders aussah. Sie hat gedacht, sie macht was falsch… bis wir rausgefunden haben, dass der Hersteller gewechselt wurde. Keine Info. Keine Warnung. Nur ‘hier ist Ihre neue Packung’. Ich find’s traurig, dass wir so viel Vertrauen in Systeme setzen, die uns nicht mal als Mensch sehen.


    Ich hab jetzt alles bei einer einzigen Apotheke – auch wenn’s teurer ist. Weil ich lieber 20 Euro mehr zahle als mein Leben riskiere. 💙

  • Barry Gluck
    Veröffentlicht von Barry Gluck
    23:06 01/ 2/2026

    Als Apotheker in Berlin hab ich das alles live gesehen. Patienten kommen mit Paketen, die ausgesehen haben, als wären sie im Wüstenauto zurückgelassen worden. Einmal hatte jemand ein Antibiotikum, das wie Butter aussah – und das war nicht mal die schlimmste Geschichte. Die meisten wissen nicht, dass sie ein Recht auf Kühlversand haben. Die Apotheken sagen das nicht, weil sie selbst nicht wissen, wie das funktioniert. Oder weil sie’s nicht tun wollen – es kostet Geld.


    Die Lösung? Einfach: Jede Mail-Order-Apotheke muss einen QR-Code auf das Paket drucken, der zeigt, welche Temperatur das Medikament während des Transports hatte. Das ist technisch machbar. Aber niemand will das. Weil es die Gewinnmargen schmälert. Das ist kein Fehler der Technik – das ist ein Fehler der Moral.

  • Runa Bhaumik
    Veröffentlicht von Runa Bhaumik
    21:14 01/ 4/2026

    Ich möchte nur kurz sagen: Es ist nicht die Technik, die schlecht ist. Es ist die Art, wie wir sie nutzen. Wir haben eine Welt, in der wir alles online bestellen – vom Essen bis zum Herzmedikament – und dann erwarten, dass alles perfekt funktioniert, ohne uns zu fragen, ob das menschlich ist.


    Die Apotheke war mal ein Ort des Vertrauens. Da hat jemand dir in die Augen geschaut und gefragt, wie du dich fühlst. Heute bekommst du eine Packung, die dir jemand aus einem Lager in Texas geschickt hat, der nie von dir gehört hat. Und du sollst das akzeptieren, weil es ‘billiger’ ist.


    Ich bin kein Luddite. Ich nutze Online-Apotheken für nicht-lebenswichtige Medikamente. Aber für alles, was mein Leben hält? Ich gehe hin. Ich spreche mit jemandem. Ich frage. Ich prüfe. Weil ich gelernt habe: Wenn es um deine Gesundheit geht, ist Bequemlichkeit kein Vorteil – sie ist eine Falle.


    Und wenn du dich fragst, warum du immer müde bist, obwohl du deine Medikamente nimmst… vielleicht liegt es nicht an dir. Vielleicht liegt es an der Hitze in einem LKW.

  • Tom André Vibeto
    Veröffentlicht von Tom André Vibeto
    15:11 01/ 6/2026

    Was hier passiert, ist keine medizinische Entwicklung – das ist eine Metamorphose der Macht. Die Apotheke wurde zu einer Logistikstation, der Patient zu einem Datenpunkt, und die Gesundheit zu einer Variablen in einem Profitmodell. Die FDA, die Versicherungen, die Pharmacy Benefit Manager – sie alle reden von Sicherheit, aber sie schützen nur ihre Bilanzen.


    Wir haben die Wissenschaft, die Technik, die Logistik – alles da. Aber wir haben keine Ethik mehr. Wir haben keine Verantwortung. Wir haben nur eine Kette von Akteuren, die sich gegenseitig die Schuld zuschieben: ‘Die Apotheke hat nicht gekühlt.’ ‘Die Versicherung hat den Preis genehmigt.’ ‘Der Patient hat nicht nachgefragt.’


    Und so wird die Menschlichkeit aus der Medizin vertrieben, wie ein Fremdkörper, der nicht in das System passt. Aber was ist ein Mensch, wenn er nicht mehr gefragt wird, ob er schmerzt? Wenn er nur noch ein Rezept ist, das durch ein System fließt, ohne dass jemand ihm in die Augen sieht?


    Wir brauchen nicht mehr Medikamente. Wir brauchen mehr Menschlichkeit. Und wenn das nicht kommt – dann wird die nächste Generation nicht mehr wissen, wie es ist, einen Apotheker zu haben. Sie werden nur noch eine Lieferadresse kennen.

  • Marit Darrow
    Veröffentlicht von Marit Darrow
    13:12 01/ 7/2026

    Ich habe die Studie des Journal of the American Pharmacists Association gelesen – und sie ist erschreckend. Nur ein Drittel der Medikamente bleibt im Temperaturbereich. Das ist kein Zufall. Das ist systemisch. Und doch wird kein Gesetz verabschiedet. Warum? Weil die Lobbyisten der Pharmaindustrie zu mächtig sind. Es ist nicht die Technik, die versagt – es ist die Politik, die versagt.


    Ich bin Norwegerin, aber ich lebe in den USA. Und ich habe gesehen, wie Menschen hier sterben, weil sie kein Geld für eine lokale Apotheke haben – und dann entdecken, dass das Medikament, das sie per Post bekamen, nutzlos war. Das ist kein Gesundheitssystem. Das ist ein Überlebensspiel – und die Regeln sind unfair.


    Ich fordere: Jede Mail-Order-Apotheke muss eine Temperatur-Log-Datei an den Patienten senden. Jedes Medikament muss einen eindeutigen Herstellercode tragen. Und jede Wechselwirkung muss von einem Apotheker überprüft werden – nicht von einem Algorithmus, der nur nach Preis sortiert.


    Wenn wir das nicht tun – dann sind wir nicht nur untätig. Wir sind mitschuldig.

  • Aleksander Knygh
    Veröffentlicht von Aleksander Knygh
    05:53 01/ 8/2026

    Oh mein Gott, das ist ja wie ein Thriller, aber real. Ich hab das alles gelesen und dachte: Das ist doch unmöglich. Aber dann hab ich mir die FDA-Daten angesehen – und es ist Wahrheit. Und wer bezahlt das? Wir. Mit unserem Blut, mit unserer Angst, mit unserem Vertrauen. Die Apotheken sind nicht böse – sie sind nur Teil eines Systems, das kaputt ist. Und wir? Wir sind die Dummen, die noch glauben, ‘billig’ bedeutet ‘gut’.


    Ich hab jetzt meine ganze Medikamentenliste in eine Excel-Tabelle gepackt. Jedes Medikament. Jeder Hersteller. Jede Lieferadresse. Jede Temperaturwarnung. Ich bin kein Arzt. Ich bin kein Apotheker. Aber ich bin der einzige, der aufpasst. Weil sonst keiner es tut.


    Wenn du das liest – mach es auch. Schreib dir alles auf. Frag nach Kühlung. Frag nach dem Hersteller. Frag nach Wechselwirkungen. Denn wenn du nicht aufpasst – wird niemand es tun.


    Und wenn du glaubst, das ist übertrieben… dann warte, bis dein Lieblingsmedikament in der Post schmilzt. Und du merkst, dass du es nicht mehr brauchst – weil es nicht mehr wirkt.

  • Jan Tancinco
    Veröffentlicht von Jan Tancinco
    12:36 01/ 8/2026

    Ich bin Deutscher, aber ich hab in den USA gelebt – und das hier ist kein US-Problem. Das ist ein globales Problem. In Deutschland gibt es auch Online-Apotheken, die ohne Kühlung liefern. Die EU hat zwar Vorgaben, aber sie werden nicht kontrolliert. Und wer kontrolliert die Kontrolleure? Niemand.


    Ich hab mal ein Rezept für ein Hormonmittel online bestellt. Es kam nach 5 Tagen – warm. Ich hab’s zurückgeschickt. Die Apotheke hat gesagt: ‘Tut uns leid, aber das ist nicht unsere Verantwortung, das ist die Post.’ Und die Post sagt: ‘Das ist nicht unsere Aufgabe.’


    Keiner ist verantwortlich. Und das ist das Schlimmste.

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